100 Jahre SPD-Ortsverein Neukirchen-Vluyn

Für alle, die nicht an der Feier „100 Jahre SPD-Ortsverein Neukirchen-Vluyn“ teilgenommen haben und auch diejenigen die noch einmal nachlesen wollen, die Begrüßungsrede von Elke Buttkereit:

 

Liebe Genossinnen und Genossen,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Verehrte Gäste,

ich freue mich Sie / Euch heute zu unserer Jubiläumsfeier – zu 100 Jahren SPD Ortsverein Neukirchen-Vluyn begrüßen zu können.

Ich mache das – als Vorsitzende mit Gänsehaut
mit Demut vor der Vergangenheit
Spaß an der Gegenwart und
mit viel Lust auf die Zukunft.

Auch wenn es das Protokoll sicher anders vorsieht, liebe geladene Gäste – sehen SIE es mir nach, dass ich an einem Tag wie heute zuerst meinen Genossinnen und Genossen aus dem Ortsverein Neukirchen-Vluyn ein frohes Glück Auf zurufe. Denn sie sind es, die wir heute feiern. Die Mitglieder vor Ort sind das Herz einer Partei, sie füllen sie mit Leben.
Also herzlich Willkommen Genossinnen und Genossen der SPD Neukirchen-Vluyn – schön, dass ihr da seid!

Ich freue mich dass ich den ersten Bürger unserer schönen Stadt, Bürgermeister Harald Lenßen begrüßen darf.
Extra mit seiner Frau angereist ist Dietmar Nietan, unser Bundeschatzmeister – lieber Dietmar herzlich willkommen und wir freuen uns schon auf deine Rede. Und ich behalte die Uhr im Auge, damit du heute Abend pünktlich in Berlin beim Bundesvorstand sein kannst.
Zum ersten Mal begrüße ich Mahmut Özdemir, Mitgliedes des Bundestages, hier in Neukirchen-Vluyn und ich hoffe, lieber Mahmut, es ist nicht das letzte Mal.
Herzlich Willkommen René Schneider Unser Landtagsabgeordneter für Vluyn und Vorsitzender des SPD Kreisverbandes Wesel.
Und ebenso herzlich Willkommen Ibrahim Yetim unser Landtagsabgeordneter für Neukirchen.
Auch den Vorsitzenden des Unterbezirk Krefeld Ralph-Harry Klaer darf ich heute Morgen begrüßen.
Und natürlich möchte ich unter all unseren Gästen noch einen besonders ansprechen – Lieber Siggi Ehrmann ich freue mich sehr, dass du hier bist.

Ich heiße zudem natürlich alle Gäste aus Vereinen, aus Sport und Kultur, von Sparkasse und Volksbank, aus der Wirtschaft und der Bildung Vertreter der Feuerwehr und sozialer Einrichtungen, aus Religion und Brauchtum – Bürger unserer Stadt und die Vertreter der Presse herzlich willkommen.
Schön, dass auch Vertreter anderer Parteien, hier im Saal sind sowie – und das zeigt den Zusammenhalt der SPD – Vertreter aus dem umliegenden Ortsvereinen Kamp-Lintfort, Moers, Rheinkamp, Rheinberg und Rheurdt.
Ganz besonders begrüßen möchte ich unsere Familien, unsere Ehepartner und Kinder – die, die immer mal wieder zu Hause darauf warten, dass ein Termin vielleicht doch pünktlich zu Ende geht, während wir, die Aktiven aus Ortsverein und Fraktion, mal wieder länger als geplant diskutieren. Da wird euch oft viel abverlangt. Danke an dieser Stelle für Euer Verständnis und Eure Unterstützung.

100 Jahre SPD Neukirchen-Vluyn – versetzen wir uns in das Jahr 1918, kaum Telefon, kein Fernsehen, erst recht kein Internet,  lange Arbeitszeiten, keine Gleichberechtigung.
Liebe Frauen wir durften vor 100 Jahre noch nicht einmal wählen, das Frauenwahlrecht wurde erst am 12. November 1918 beschlossen. Heute können wir uns das gar nicht mehr vorstellen und so bin ich stolz, dass die SPD schon 1891 die Forderung nach dem Frauenwahlrecht als erste deutsche Partei in ihr Programm aufnahm.

Es waren unruhige Zeiten im Jahr 1918 – Der erste Weltkrieg war verloren, das Kaiserreich wurde beendet – REVOLUTION – die Republik wurde ausgerufen, alles war im Umbruch, alte Regeln lösten sich auf…Und wie war es in Neukirchen-Vluyn? – der Bergbau wandelte die Stadt, die ja damals noch 2 Dörfer war – der Bindestrich kam viel später – aber die Dörfer wuchsen! Und eben nicht nur die große Politik war mutig, sondern auch hier im beschaulichen Neukirchen-Vluyn gab es entschlossene Männer und auch Frauen, die am 05. November 1918 unseren SPD-Ortsverein gründeten.

Überliefert sind Namen wie:
Ferdinand Lenk,
Martha Weißflog,
Reinhold Schrinner,
Richard Kropp,
Frida Schwinn,
Kurt und Lucie Obst,
Arne und Else Fiedler
Ida Ridzweski,
Ernst Böhm und
Anne Putzke

Auf die Historie gehen wir später noch ein.

Was heißt es sich in einem Ortsverein politisch zu engagieren, Flagge zu zeigen?
Es gehört Beharrlichkeit dazu, außerdem Mut, und es ist heute wie damals ungemein wichtig. Politisches Engagement vor Ort ist vielfältig: Das Spektrum reicht vom Flyer verteilen, Versammlungen organisieren, Anträge schreiben und beraten, Kampagnen entwickeln, Wahlkämpfe unterstützen! Konkret heißt das unter anderem:
Früh aufstehen, um den besten Platz für den Infostand zu ergattern, Material schleppen und auf Leitern steigen, um die Plakate aufzuhängen. Kuchen backen, Bier zapfen – Bierzeltgarnituren streichen oder Pavillons reparieren! Aber ebenso Ansprechpartner sein für die Bürgerinnen und Bürger, am besten sowohl für Kommunal- als auch für Bundespolitik, das ergänzt sich übrigens gut mit der Fähigkeit Kritik einstecken zu können bzw. sich manchmal auch beschimpfen zu lassen. Es gehört dazu der Kampf um ein eigenes Mandat, bis hin dazu politische Ziele für die eigene Stadt zu entwickeln, im Blick zu halten und umzusetzen, d. h. auch einen städtischen Haushalt von über 500 Seiten zu lesen, zu verstehen und zu analysieren.

Aber man bekommt auch viel zurück, ich habe unsere Stadt und das Engagement in unserer Stadt durch die Politik nochmal aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt. Viele Besuche bei Vereinen, sozialen und kulturellen Einrichtungen, Festen, Konzerten und Eröffnungen waren und sind für mich ein Gewinn. Ich kann nur empfehlen sich in einer demokratischen Partei einzubringen, um vor Ort zu gestalten, anzupacken und Verantwortung zu übernehmen – am besten natürlich in der SPD.

Nun leben wir in Zeiten in der sich zumindest gefühlt alles schneller dreht – heute ein Hype – morgen interessiert das Thema niemanden mehr. Heute ein Problem, das durch die verschiedensten Medien getrieben wird, morgen eine Lösung, die nur noch eine Randnotiz ist. „Das muss doch alles auch schneller, einfacher und besser gehen?!“ ist dann höchstens noch der Tenor. Politik regt auf, politische Lösungen langweilen. In einer Demokratie sind wir auf Mehrheiten angewiesen. Mehrheiten bilden heißt aber auch Kompromisse suchen, abweichen von den maximalen Vorstellungen aus Wahlprogrammen – was oft als „im Wahlkampf versprochen nach der Wahl nicht gehalten“ ausgelegt wird.
Leider ist Politik in unserer Zeit zunehmend negativ belegt. Stammtischparolen und Populismus sind „in“, das Wissen um komplexere Zusammenhänge und Verfahrensabläufe sowie das Interesse an politische Grundlagen sind „out“. Demokratie muss aber mit Leben gefüllt werden! Es gibt sie nur dann, wenn WIR, das Volk, auch mitmachen. Die Demokratie braucht Wählerinnen und Wähler, die mit ihrer Stimme zeigen, wo es lang gehen soll und sie braucht Frauen und Männer, die klar ihre Meinung vertreten und für politische Mandate kandidieren. Kommunalpolitik ist das unerlässliche Fundament dafür.

Mir macht Politik trotzdem Spaß, mich spornt es an sich dieser „Verdrossenheit“ nicht zu ergeben. Wir sind die Basis – wir sind wie andere demokratische Parteien auch – die Wiege der Demokratie. Hier vor Ort werden die Werte „Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität“ gelebt. Sie sind Grundlage für unsere Entscheidungen und unser gemeinsames Wirken.

Wir werden hier vor Ort weiter begeistert, beharrlich und entschlossenen sozialdemokratische Politik machen, das ist ein Versprechen und keine Drohung. Wir schauen mit Haltung und selbstbewusst in die Zukunft. Wir wollen in die Zukunft von Neukirchen-Vluyn investieren und Impulse an die Landes- und Bundespolitik geben. Wir werden wachsam sein und standhaft rückwärtsgewandten Entwicklungen in der Politik entgegentreten. Statt einfacher Parolen, werden wir weiterhin konkret, sachlich und lösungsorientiert für unsere Stadt arbeiten und Lösungen anbieten, die Neukirchen-Vluyn stärken.

Meiner Partei und meinem Ortsverein wünsche ich für die Zukunft alles Gute, politisches Gespür und weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt.

 

Es gilt das gesprochene Wort.